Farmer unter der Aequatorsonne

Kenia - kein Land nur für Urlauber

Bericht von Ursula über das Leben auf einer afrikanischen Farm im Frühjahr 2006

Kenia - das sind nicht nur palmenumsäumte Strände, nicht nur wilde Tiere, nicht nur Safarivergnügen in komfortablen Lodges. Kenia ist wie die meisten afrikanischen Länder ein Entwicklungsland mit hausgemachten Problemen. Dieser Bericht versucht,am Beispiel Rabai einen Eindruck zu vermitteln von dem, was hinter den Kulissen abläuft.

Die Dorfgemeinschaft Rabai

Etwa vierzig km nordwestlich von Mombasa liegt Rabai, eine Ansammlung von kleinen Dörfern, deren Einwohner alle großenteils von der Landwirtschaft leben, d.h. vorrangig vom Ackerbau, gelegentlich besitzen sie auch Schafe und Ziegen sowie Federvieh. Der sandige Boden lässt sich gut bearbeiten und liefert den Farmern die in Kenia üblichen Feldfrüchte wie Cassava (besser bekannt als Maniok), Mais, Cachew-Nüsse, Kokosnüsse, Bananen, Papayas und Mangos. Da aber Rabai auf 3,5 Grad südlicher Breite liegt, brennt die Äquatorsonne das ganze Jahr erbarmungslos vom Himmel und lässt viele Früchte verdorren. Die Temperaturen liegen ständig über 30 Grad, die Regenzeiten bleiben häufig aus und die Menschen leiden unter extremem Wassermangel.
Das leicht hügelige Gebiet ist vegetationsarm, nur vereinzelte Kokospalmen spenden etwas Schatten

Seit unserem letzten Keniaaufenthalt vor zwei Jahren, wo wir einige Tage in Mikomani in einer kenianischen Familie zubrachten,(siehe unsere Ostafrika-Seiten) ,haben wir uns ein wenig um die Probleme der Farmer gekümmert und ich habe mich im März/April 2006 ein paar Wochen in der befreundeten Familie aufgehalten, um mir vor Ort ein Bild von der Situation zu machen.

 


Das Haus unseres Freundes Kombo ist geradezu ein Schmuckstück in einer Umgebung, wo es sonst nur Lehmhütten gibt.

Typische Lehmhütten, von einigen Kokospalmen umgeben.

 

Die Schule von Mikomani

Mikomani ist ein Dorf der Gemeinschaft Rabai und besitzt eine Primary School. Die Kinder kommen aus den umliegenden Ortschaften und haben häufig einen Schulweg von mehr als 7 km. Vor zwei Jahren noch mussten sie diesen Weg auf schattenlosen Feldwegen zurücklegen und bekamen während des langen Schultages nichts zu trinken, da es nirgends trinkbares Wasser gab. Nur wenige Eltern können es sich leisten, den Kindern das in Flaschen abgefüllte käufliche Trinkwasser mitzugeben. Inzwischen hat sich der Lions-Club, der bereits Anfang der neunziger Jahre die Schule gegründet hatte, bereitgefunden, eine Pipeline bis zur Schule zu verlängern. Die Pipeline endete bislang ca.10 km vor Mikomani. Das Wasser kommt von den Mzima-Springs im Tsavo- West-Park und versorgt auch Mombasa mit dem sauberen Schmelzwasser vom Kilimanjaro

Die Familie Kombo, deren Grundstück an das Schulgrundstück grenzt, restaurierte ein altes Gebäude und liess eine "Cafeteria" für die Schüler entstehen, wo sie in den Pausen für ca. 5KES (etwa 5 Cent) einen Becher mit Milch aufgebrühten Tee erstehen können. Für ganz Mittellose gibt es den Tee auch umsonst.

 


Die Pausen-"Cafeteria" für die Schüler

Dem Handwerker schaut man mit Interesse zu.

In der Schule erhalten alle Kinder bis zu 14 Jahren eine Grundausbildung. Der Unterricht erfolgt in englischer Sprache, so erwerben die Kinder von Anfang an Englischkenntnisse, die sie später für eine Berufsausbildung dringend brauchen. Die Notwendigkeit einer guten Schulausbildung wird generell bei der Bevölkerung erkannt.
Die Schule besteht aus mehreren ebenerdigen Gebäuden und ist spartanisch eingerichtet. Die Schulbänke müssten dringend ersetzt werden, sie stammen noch aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und wirken total baufällig. Die Schüler tragen Schuluniformen, die bei vielen auch als Freizeitkleidung dienen müssen und dadurch oft zerfetzt aussehen.

 


Mädchen tragen Röcke, Jungen Hosen! So kann man sie wenigstens unterscheiden.

Aufmerksam lauscht man den Reden zum Fest.

 

Für mehr Schatten auf dem Schulgelände und zur Bodenverbesserung ist man bemüht, möglichst viele Jungbäume anzupflanzen. An einer solchen Pflanzaktion konnte ich teilnehmen und lernte so einen kenianischen Grundschulbetrieb kennen. In einem großen Klassenraum versammelten sich die älteren Schüler mit einigen Lehrern. Jeder trug eine Feldhacke mit sich, aber vorerst musste man mucksmäuschenstill in seiner Bank sitzen und den Reden der Lehrer und geladenen Gäste zuhören. Anschließend ging es gesittet ins Freigelände, wo jeder ein Loch graben und ein Bäumchen hineinsetzen musste. Auch ich bekam einen Baum und musste ihn pflanzen. Die Kinder waren mit großem Eifer bei der Sache. Die Disziplin ist erheblich besser als in deutschen Schulen, ob der Rohrstock das bewirkt, der immer noch seinen Platz im Klassenzimmer hat, wagte ich nicht zu fragen.
Die Digitalkamera hat mich immer begleitet, so konnte ich auch einige Kurzvideos drehen und habe damit den Kindern eine riesige Freude gemacht. Sie hüpften, tanzten und lachten, als sie erstmalig sich selbst "wie im Fernsehen" betrachten konnten!

 


Der Hauptteil des Schulgebäudes. Junge mit Feldhacke.

Alle sind mit Eifer beim Pflanzen.

 


Das Bild zeigt den Headmaster (Rektor), mit grünem Hemd, einen weiteren Lehrer und Kombo mit seiner jüngsten Tochter im Büro des Headmasters. Hier wird die Verwaltung noch manuell durchgeführt, Computer gibt es nicht, und auch keine Schreibmaschine. Die Lehrer lachen: Na und? Wir kennen unsere Schüler auch so! Bei nahezu 500 Kindern keine so einfache Sache!

 

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