Farmer unter der Aequatorsonne

Leben auf der Farm

Als mich Sidi dieses Jahr am Flughafen von Mombasa abholte, war ich gespannt, was sich im Laufe von zwei Jahren auf der Farm verändert haben würde. Schliesslich hatten wir dazu beigetragen, die Probleme der Dorfbewohner etwas zu verringern, und so war es mir eine große Freude, erhebliche Verbesserungen feststellen zu können.
Die Solarzelle, die wir letztesmal mitgebracht hatten, sorgt in vier Räumen des kleinen Hauses für Beleuchtung, ein Wasser-Sammelbecken fängt das Wasser auf, das dank der Initiative des Lions-Clubs durch die Pipeline fließt, und damit haben es die Familie Kombo und viele umliegende Nachbarn wesentlich leichter, Wasser in Kanister zu füllen. Die weiten Wege zum Wasserholen hat man gespart. Ausserdem hat man am Haus Dachrinnen angebracht, die das Regenwasser in Regentonnen leiten. Es ist zwar nicht ganz so sauber, aber zum Waschen, Geschirrspülen oder Gießen kann man es verwenden.


Hier endet die Pipeline, aus der auch die Schule das Wasser bezieht. Mit einem dicken Schlauch wird es in das Sammelbecken geleitet.

Nachmittags ist hier viel Betrieb, alle Nachbarn schöpfen ihre Kanister voll Wasser.

Ein familiäres Ereignis machte es uns vergangenes Jahr möglich, bei unseren Gästen für unser Kenia-Projekt zu sammeln, und so konnten wir eine größere Summe überweisen. Mit dem Geld hat man einen sogenannten Damm gebaut, d.h. ein schwimmbadgroßes Staubecken zum Auffangen von Regenwasser. Hiermit sollen die riesigen Felder bewässert werden, von deren Ertrag die Farmer abhängig sind. Leider blieb der Regen im November/Dezember aber fast aus, und auch im März/April regnete es sehr wenig, sodass es noch lange dauern wird, bis das Becken gefüllt ist.

Nachtrag 2007

Die Launen des Wetters haben es möglich gemacht: Das kürzlich von Marc Stein, einem Freund Kombos, erstellte Foto zeigt, wie heute, knapp eineinhalb Jahr später,das Staubecken aussieht. Mehrere ergiebige Regenzeiten haben inzwischen dafür gesorgt, dass das Auffangbecken bis zum Rand mit Wasser gefüllt ist und damit die Bewässerung der Felder für einen längeren Zeitraum sichergestellt ist, ein großer Erfolg für die Farmer!

 

Was macht man nun als Europäerin so den ganzen Tag auf einer kenianischen Farm? Arbeit gibt es genug: Draußen auf einem provisorischen Gestell liegt das Geschirr von vielen Personen, man trocknet es ab und packt es in Plastikschüsseln, Schränke gibt es nicht. Man kümmert sich um die Kinder. Die kleine Ursula Nyamvula, mein Patenkind, ist mit 16 Monaten noch sehr mutterabhängig, sprechen kann sie noch nicht, da bleibt nicht viel zu tun. Der kleine Winston Kombo dagegen ist mit sechs Jahren ein aufgewecktes Bürschchen, nach dem gerade beendeten ersten Schuljahr spricht er schon fließendes Englisch und kann es sogar recht gut lesen. Ich erzähle ihm viel, von Deutschland, vom Mond und den Sternen, und alles interessiert ihn brennend. Er erzählt mir von den Hühnern, die während der Zeit der Maisaussaat an den Beinen angebunden werden, damit sie die Saat nicht aufpicken. Er fängt mir Frösche, die ich sehr toll finde.


Der kleine Kombo, mein ganz besonderer Freund.

Der große und der kleine Kombo, Sidi mit dem Baby sowie ein Nachbarskind.

Mit Küche und Kindern allein mochte ich mich nicht zufriedengeben, wichtig war es mir, mich auch in die Feldarbeit einzubringen. Nur wenn man selbst einmal barfuß auf dem Acker bei mehr als 30 Grad Hitze mit der Feldhacke gearbeitet hat, bekommt man ein Empfinden für das Tagewerk der Kenianer. So gehe ich denn mit Kombo und seinen Tagelöhnern auf die Felder und helfe beim Pflanzen von Casurina-Bäumen. Es handelt sich hier um eine Pinienart, deren Wurzelgeflecht die Feuchtigkeit im Erdreich festhält. Die Bäume spenden Schatten, wachsen sehr schnell, werden aber auch nicht alt. Deswegen sind sie begehrt bei den Hotels am Indischen Ozean, die für ihre Parkanlagen immer Nachschub brauchen. Kombo wittert dabei ein gutes Geschäft, seine "Baumschule" enthält schon 5000 Exemplare, von denen er zwar viele für die Dorfgemeinschaft braucht, aber da er sie selbst züchtet, hofft er damit auf Dauer einen Gewinn erzielen zu können.
An anderen Tagen geht es dann zum Maispflanzen. Das ist ein mühseliges Arbeiten bei den hohen Temperaturen. Die Körner werden nicht breitwürfig ausgesät, wie man es bei uns kennt, sondern sie werden zu je 2 Stück in eine mit der Hacke ausgehobene Kuhle gelegt. Man braucht Stunden für die Arbeit, aber Arbeitskraft ist billig, ausserdem bekommen die Arbeitslosen eine Chance, und so hat man keinen Verlust beim Säen, alle Körner gehen auf!


Was von der Baumschule noch übrig ist, nachdem wir den Großteil ausgepflanzt haben.

 

Die auf der Farm Beschäftigten sind alles ungelernte Arbeiter. Bei der hohen Arbeitslosigkeit haben sie sozusagen nie Aussicht auf eine Anstellung und damit auch keinen Anspruch auf Altersversorgung. Die jungen Paare sind darum alle darauf bedacht, nur noch wenige Kinder zu haben und denen eine gute Schulausbildung zu ermöglichen. Wahrscheinlich wird deren Zukunft dann mehr gesichert sein, aber im Augenblick ist es hart für viele Menschen. Fleißig sind sie schon, der hier abgebildete Maurer arbeitete den ganzen Tag an einem Hühnerstall, unermüdlich und bei großer Hitze. Bettler kommen oft, aber Kombo legt Wert darauf, dass Leute, die noch leistungsfähig sind, für Geld oder Naturalien auch etwas leisten.


Die Hühner sollen auf Dauer während der Maisaussaat im Stall bleiben, deshalb wird das alte Gebäude hier repariert.

Eine kräftige Frau schrotet den Mais, der später zum Mahlen zum Müller gebracht wird.

Vieles liegt in der Dorfgemeinschaft noch im Argen. Die Verkehrsanbindung ist völlig unzureichend. Der Lorry der Pastorenfamilie, damals das einzige Fahrzeug in der Umgebung, ist inzwischen zusammengebrochen. Wer heute nach Mombasa will - und das ist die einzige Einkaufsmöglichkeit - muss den Omnibus um 5 Uhr morgens nehmen, den einzigen am Tag. Er klappert alle Dörfer ab und ist beladen mit allem nur Denkbaren; wer seine Feldfrüchte auf dem Markt verkaufen will, muss ihn benutzen.
Die Armut zeigt sich in Häusern und Hütten: Man besitzt nur das Notwendigste, Betten, mal einen uralten Tisch, ein paar Stühle oder Hocker, gegebenenfalls noch klapperige Sessel, und das war es schon. Zum Kochen hat man einen Kerosinkocher oder einen Gaskocher mit Gasflasche, so wie auf dem Campingplatz, aber das ist schon großer Komfort, viele schleppen Holzbündel herum, die man an den Landstraßen für ein paar Cent kaufen kann. Da es keine Elektrizität gibt, braucht man auch keine Elektrogeräte, alles wird per Hand erledigt. Z.B. Cashewnüsse werden am Feuer geröstet bis sie schwarz sind wie Holzkohle. Anschließend schlägt man sie mit Steinen in Stücke, sodass der Kern herausfällt. Sie schmecken vorzüglich!

 

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